Bosnien ist nicht die naheliegende Erasmus-Wahl, und genau das ist der Punkt. Du bekommst Sarajevo, eine Hauptstadt, in der Moschee, orthodoxe Kirche, katholische Kathedrale und Synagoge auf ein paar hundert Metern nebeneinander stehen, Minarette und österreichisch-ungarische Fassaden im selben Straßenblock. Es ist einer der günstigsten Studienorte Europas, die Leute sind wirklich herzlich, und die Geschichte, osmanische Herrschaft, Erster Weltkrieg, die Belagerung in den 90ern, liegt auf der Straße, nicht im Schulbuch.
Der Preis dafür ist Ehrlichkeit: Bürokratie läuft zäh, Englisch spricht nicht jeder, und die Infrastruktur hinkt Westeuropa hinterher. Dafür verbringst du ein Semester an einem Ort, den die meisten deiner Freunde nicht mal auf der Karte finden, lernst einen echten neuen Teil der Welt kennen und kommst mit Geschichten heim, die nicht von denselben drei Clubnächten handeln wie bei allen anderen. Geh hin, wenn du Substanz statt Hochglanz willst.
